Es ist klar: Es gibt noch unendlich viel zu tun, unendlich viel zu verbessern auf dieser Welt. Aber warum, verdammt, bekommen die meisten von uns einfach den Hintern nicht hoch?

Wieso fällt es vielen von uns schwer, sich für oder gegen etwas zu engagieren? Es gäbe schließlich genug zu tun, nicht nur für Draufgänger und Betriebsnudeln. 500 000 Vereine und Organisationen, darunter eine Vielzahl mit sehr ehrenwerten Zielen, buhlen in Deutschland um Mitglieder, Aufmerksamkeit und finanzielle Zuwendungen. Mit dem Internet ist es leichter geworden, für Aktivitäten politischer, ökologischer oder humanitärer Art zu werben. Avaaz (avaaz@avaaz.org) und Campact (info@campact.de) sind weltweit agierende Kampagnen-Netzwerke mit Millionen von Mitgliedern, die innerhalb von Tagen Petitionen mit mehreren hunderttausend Unterzeichnern auf die Beine stellen und so die oft von Lobbyisten maßgeblich beeinflussten Politiker zum Umdenken bzw. Überprüfen vorgesehener Entscheidungen bei umstrittenen Vorhaben motivieren. Dennoch wird es immer schwieriger, mit der atemberaubenden Umschlaggeschwindigkeit von Nachrichten Schritt zu halten. Es gibt eine Überversorgung mit Informationen – jeder hat die ganze Welt bei sich zu Hause und weiß über ihre Probleme. Aber als Einzelner wird er sie nicht lösen können.

Wer über Cyber-Aktivitäten und Spenden hinaus aktiv werden möchte, muss Menschen finden, denen er vertraut und auf die er sich verlassen kann. „Allein machen sie Dich ein“ – an dieser alten Weisheit ist viel Wahres. Auf die üblichen Vielredner und Wichtigtuer kann man dabei getrost verzichten – und vor Zeitgenossen mit geschlossenen Weltbildern, gusseisernen Gewissheiten und gedanklichen Einbahnstraßen macht man am besten einen großen Bogen. Mit etwas Glück aber findet man eine Gruppe, in der all dies nur in Spurenelementen vertreten ist.

Nun könnte es also losgehen. Doch wenn man dem Schicksal einer politischen Eintagsfliege entrinnen möchte, braucht es mehr als ein paar Publicity-Gags – und damit beginnen auch schon die Mühen der Ebene. Immer wieder neu gilt es, Einvernehmen herzustellen: Wer ist unser Gegner, wo finden wir Verbündete? Wie mobilisieren wir Unterstützer? Woher kriegen wir Geld? Welche Etappenziele liegen auf unserem Weg – und mit welchen taktischen Mitteln können wir sie erreichen? Das klingt vielleicht für so manchen öde und unglamourös, aber es nuss sein. Dass es funktioniert, hat z.B das erste Creglinger Bürgerbegehren bewiesen.

Nur Mut – das ist jedenfalls zu wenig. Informationen, Austausch mit Gleichgesinnten, Zeit zum Nachdenken müssen hinzukommen, außerdem Gelassenheit, Verlässlichkeit, die Kondition eines Marathonläufers und die Fähigkeit, hin und wider Abstand zu nehmen. Die Initialzündung lässt sich zwar nicht herbeireden, befehlen oder erzwingen -“das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“ sagt ein altes Sprichwort. Aber wer je gesehen hat, wie Halme durch den Beton brechen, der weiß: Wenn das Gras einmal wächst, ist es nicht mehr aufzuhalten.