Nach der Wahl: Zusammen geht’s besser

Eingetragen bei: Aus Creglingen, Berlin, Europa, Welt | 0

Die Wahl hat das Ergebnis gebracht, das wohl viele erwartet haben: Die große Koalition wurde schmerzhaft abgestraft. Die FDP ist mit einem hervorragenden Wahlergebnis aus der Versenkung aufgetaucht. Die AfD hat vor allem in wirtschaftsschwachen Gebieten große Zugewinne zu verzeichnen.

In Creglingen hat sich dieses bundesweite Ergebnis gespiegelt. Einzelne Ausrutscher machen ratlos: Warum wählte jede/r Vierte aus Niederrimbach /Standorf AfD? Was versprechen sich diese Wählerinnen und Wähler?

Zwei Dinge können alle Parteien aus diesem Ergebnis lernen:

Erstens: Die Menschen in Deutschland brauchen auskömmliche Arbeitsplätze und Perspektiven. Wenn man ihnen die langfristig nimmt, protestieren sie, und sei es mit einem Kreuz bei einer neuen lauten Partei: in Gelsenkirchen, in Deggendorf oder in Bautzen.

Zweitens: Die Verquickung von Migrationspolitik und Sozialpolitik, die Rechtpopulisten aus mehreren Parteien betrieben haben, spaltet das Land. Niemand erhält mehr Rente, wenn auch nur ein Flüchtling weniger kommt. Niemand bekommt einen besseren Stundenlohn, wenn Deutschland keine Bürgerkriegsflüchtlinge mehr aufnimmt.

Niemand erhält mehr Rente, wenn auch nur ein Flüchtling weniger kommt.

Es gibt viele Probleme zu lösen, vor allem in Sachen Gerechtigkeit: Wer sein Leben lang arbeitet, Kinder erzieht, putzt und malocht, soll eine auskömmliche Rente erhalten. Wer arbeitet, soll nicht mehr Steuern zahlen als der Aktienbesitzer, der von seinem Erbe lebt. Wer einen Job in der Stadt hat, soll auch eine bezahlbare Wohnung finden. Wer Kinder (allein) erzieht, soll auf die Solidarität der Gesellschaft zählen können.

Was niemandem nützt: auf denen herumzuhacken, die schwächer sind als wir selbst. Die meisten Menschen, die Hartz IV erhalten, wollen arbeiten, egal, ob sie nun „biologische Deutsche“ sind oder nicht. Und sie wollen so viel verdienen, dass sie in Würde davon leben und später eine auskömmliche Rente beziehen können.

Die meisten Menschen wollen arbeiten.

Liebe ProtestwählerInnen: Demokratie ist mehr, als alle vier Jahre zwei Kreuze zu machen. Protestiert bei euren Abgeordneten, auch denen der neuen Partei. Wenn euch eure Rente zu niedrig ist, werdet politisch aktiv. Wenn ihr aber alle, die sich für dieses Land und seine Demokratie einsetzen, als Deppen und Faulenzer beschimpft, tragt ihr nichts zum Wohle eurer Heimat bei. Im Gegenteil: Ihr trefft damit auch all jene, die sich im Kleinen engagieren:  im Altersheim, zuhause bei den Kindern, im Gemeinderat, in Vereinen, bei der Feuerwehr, bei der Integration von Migranten und und und.

Protestiert bei euren Abgeordneten.

Unser Aufruf als Creichelmer SPD an alle: Informiert euch. Lest Zeitung. Lest das Gemeindeblatt. Hinterfragt platte Sprüche und Hetze im Internet; ihr erkennt sie daran, dass sie euch wütend machen. Und Wut schadet nicht nur der Gesellschaft, sie macht auch verbittert und krank.

Sprecht eure Anliegen offen an, auch denen gegenüber, die euch vertreten, im Gemeinderat, im Stuttgarter Landtag, in Berlin. Und schaut über den Tellerrand. Wenn Menschen weniger haben als ihr: Helft ihnen, den Schwachen, Kranken, Alten, Jungen, Kindern. Helft einander. Nicht jedes Problem kann der Staat lösen. Oft aber hilft ein bisschen Mitgefühl und Solidarität.

Hinterlasse einen Kommentar