Frauenarbeit: oft unterbezahlt, meist unbezahlt, immer unbezahlbar

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Vor einigen Wochen starb Johanna Rehfeld. Die Creichelmer SPD – Ortsvereinsmitglieder, ehemalige Gemeinderatskandidaten, aktive und ehemalige Gemeinderäte – haben mit ihr ein Vorbild verloren, ganz besonders wir Frauen. Johannas wichtigstes Vermächtnis ist die Wiederherstellung des Romschlössles zu altem Glanz. Daneben hat sie aber auch bewiesen: Frauen, auch und gerade SPD-Frauen, können Gemeinderat.

Beim traurigen und würdevollen Abschied von Johanna Rehfeld fiel auf, wie viele zur Trauerfeier kamen. Sie alle schätzten ihre Arbeit im Gemeinderat und für den Kulturverein und erkannten ihre Leistungen an. Ihre Verdienste wurden auf der Trauerfeier und in der Zeitung in einem Nachruf gewürdigt.

Johanna war nicht die klassische Karrierefrau, sondern hielt ihrem Mann den Rücken frei, kümmerte sich um die Erziehung des Sohnes und engagierte sich „nebenher“ ausgiebig für ihre Wahlheimat Creglingen. Sie steht damit in einer Reihe mit vielen Frauen, die berufstätig sind oder auch nicht, aber jedenfalls all die Aufgaben übernehmen, die in unserer Gesellschaft weder ausreichend wertgeschätzt noch hinreichend finanziert werden: Kindererziehung, Hausarbeit, Mitarbeit im Familienbetrieb, Pflege älterer Angehöriger, Nachbarschafts-, Asyl- und Altenhilfe, Vereinsarbeit.

Die Gesellschaft profitiert von diesem Engagement, ja, sie bereichert sich daran. Im Jahr werden 96 Milliarden Stunden so genannter Sorgearbeit verrichtet, unbezahlt und überwiegend von Frauen, während die bezahlte Erwerbsarbeit etwa 56 Milliarden Stunden umfasst. Würde diese überwiegend familiäre und häusliche Arbeit bezahlt, wären 826 Milliarden Euro fällig, mehr als alle Löhne und Gehälter zusammen.[1]

Wie viele Frauen „gehen nicht arbeiten“ oder arbeiten „nur“ Teilzeit und arbeiten doch den ganzen Tag. Ihre Belohnung: wenig Anerkennung, finanzielle Abhängigkeit von einem Ehemann, der ihre Mühen hoffentlich zu schätzen weiß, eine miserable Rente. Bei einer Scheidung ist lebenslange Armut angesagt.

Johanna fand vor allem deshalb so viel Anerkennung, weil sie sich in eine Männerdomäne vorwagte, die von der Gesellschaft gewürdigt wird: den Gemeinderat. Welche Pionierarbeit sie dort leistete, können vielleicht nur die wenigen Frauen zur Gänze nachvollziehen, die ihr dort nachfolgten.

Umso wichtiger ist, dass sich mehr Frauen für die kommunalpolitische Arbeit interessieren und die Familien- und Wirtschaftspolitik unserer Gemeinde mitgestalten. (Und das geht übrigens nur, liebe Frauen, wenn ihr auch wenigstens ein paar Frauen wählt. Das tun bisher leider zu wenige von euch, dabei bietet euch gerade die SPD zu jeder Wahl engagierte und fähige Kandidatinnen an.) Wichtig ist aber auch, dass Frauen und ihre Arbeitsfelder, für die sich weite Teile der männlichen Gesellschaft nur interessieren, wenn es etwas Gutes zu essen gibt, besser sichtbar gemacht werden.

Die schlechte Nachricht, liebe Frauen: Die Männer nehmen euch dieses Sichtbarmachen nicht ab, sonst wäre dieser Artikel überflüssig. In der Öffentlichkeit wird nicht die unbezahlte Arbeit gefeiert, sondern die oft gut bezahlten „wichtigen“ Posten in Aufsichtsräten, politischen Gremien und Chefetagen, die fast ausschließlich mit Menschen in Anzug und Krawatte besetzt sind. Auf das Lob der Gemeinde solltet ihr auch nicht warten, das kommt selten und viel zu leise.

Die gute Nachricht: Keine(r) hindert euch daran, euch gegenseitig zu stärken. Lobt eure Mitstreiterinnen, rückt sie ins Scheinwerferlicht, macht euch hörbar Mut. Veröffentlicht für eine verdiente Frau zum runden Geburtstag ein paar anerkennende Zeilen im Blättle oder in die Zeitung. Berichtet regelmäßig über eure Arbeit: Pflege, Nachbarschaftshilfe, Vereinsarbeit, Hospizarbeit, Dorfverschönerung. Baut eine Website, stellt auf sozialen Netzwerken dar, was ihr in den vielen Stunden unbezahlter Arbeit leistet.

Wartet nicht, bis ein krawattentragender Kommunalpolitiker zum nächsten Jubiläum anerkennend euren Kuchen isst und ein paar lobende Worte verliert!

 

[1] Zahlen für 2013 nach: Kristina Vaillant, Die verratenen Mütter, München 2016.

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