Rehessen

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rehessen

Rehessen wurden in den Ortschaften einst eingeführt, weil sich der Jagdpächter bei den örtlichen Landwirten erkenntlich zeigen und eventuelle Schäden gutmachen wollte. Bis heute sind sie ein fester Termin im Jahreskalender jeder Ortschaft, für die Bewohnerinnen und Bewohner eine Gelegenheit, zu plauschen und die hervorragende Küche der Landfrauen zu genießen.

Irgendwann hat mal ein Bürgermeister entdeckt, welch hervorragende Gelegenheit Rehessen bieten, in den Ortschaften zu berichten, was sich im vergangenen Jahr im Stadtgebiet so getan hat und was fürs kommende Jahr geplant ist. Keine schlechte Idee, und solange er nicht allzu ausschweifend wird (was vorkommt), so weit, so gut.

Nun scheint es aber Mode geworden zu sein, dass der Bürgermeister die Großkopfeten aus anderen Städten und Gemeinden einlädt. Die wissen die gute Küche der Landfrauen ebenfalls zu schätzen, genießen sie in Gesellschaft ihrer prominenten Freunde und geben sich der Illusion hin, dass sie sich unters einfache Volk mischen. Natürlich muss das einfache Volk dankbar sein, wenn der hohe Besuch nun ebenfalls ein paar launige Worte in den Saal wirft.

Und da geht es dann deftig zur Sache. Bei einer solchen Veranstaltung in Niederrimbach ließ der Bad Mergentheimer OB seinen Charme spielen und machte anzügliche Anspielungen über eine nicht anwesende Bürgermeisterin, deren hervorragende Eigenschaft ihre Attraktivität zu sein scheint und die, obwohl verheiratet, als potenzielle Heiratskandidatin für den unverheirateten Creichelmer Schulzen gepriesen wurde. Die Defizite auf den Ortschaften (DSL, Straßenbau), so der prominente Gast, würden sofort behoben, wenn das Wahlvolk nur die Partei mit dem C wählt (die bis vor fünf Jahren all diese Probleme nicht behoben hat). Auch wurden die Niederrimbacher schon mal darauf vorbereitet, dass ihr Rathauschef bei der nächsten Kommunalwahl voraussichtlich dem Drängen seiner lieben Freunde nachgeben und mit der C-Partei in den Kreistag einziehen wird.

Wenn Rehessen nun also politische Veranstaltungen sind, dann werden die Chancen jedenfalls ungleich verteilt. So wurde nicht einmal in Oberrimbach, dem Heimatort der SPD-Landtagskandidatin, auch nur erwähnt, dass eine Einheimische sich um einen Sitz im Stuttgarter Parlament bewirbt. Auch der Mergentheimer OB, der Niederrimbach mit einer Wahlkampfrede beehrte, überging diese Tatsache großzügig – ach ja, falsche Partei. Vielleicht hätte er sie mit ein paar Worten bedacht, wenn sie als potenzielle Heiratskandidatin für den vereinsamten Bürgermeister in Frage käme? Das bleibt ein Geheimnis der hohen Herren in den Rathäusern von Creglingen, Bad Mergentheim und Assamstadt, die wohl auch weiter hin und wieder auf das Landvolk herabschweben, um vom köstlichen Landfrauen-Rehragout zu kosten.

 

2 Responses

  1. Anita Bone-Czerniejewski

    Klassische Glosse – wunderbar!
    Kaum veröffentlicht, schon meldet sich ein Gemeinderatsmitglied der CDU bei unserem BM um ihm einen „Antrag“ zu machen. Also einen Mitgliedsantrag.
    Wir halten mit! Als SPD-Mitglied kann unser Bürgermeister dann auch Redaktionsmitglied in unserem Gwerzinsel-Team werden. 🙂

  2. Anne Emmert

    Und nein, lieber CDU-Kreisrat xy, wir nehmen „Das Rehessen“ nicht von der Homepage. Wäre ja auch merkwürdig, nachdem der Text mit der G’werzinsel gerade alle Creglinger Haushalte erreicht hat.
    Wir von der Creglinger SPD gehen davon aus, dass jemand, der so großzügig Späße auf Kosten anderer macht, eine Glosse doch locker wegsteckt, nicht wahr? Und natürlich ergreift nicht nur die CDU eine Chance zum Wahlkampf, wenn sie sich bietet, auch die Creglinger Sozis nehmen eine Gelegenheit, die auf dem Silbertablett präsentiert wird, gern wahr.

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